Historisches

Der Franz-Josefs-Bahnhof liegt am Julius-Tandler-Platz im neunten Gemeindebezirk (Alsergrund) in Wien und wurde in der heutigen Form 1978 als Nachfolger mehrerer gleichnamiger Bahnhöfe eröffnet. Er wurde als Kopfbahnhof konzipiert. Wie alle Bahnhöfe Wiens war der Bahnhof mit einem luxuriösen Hofsalon für den kaiserlichen Hof ausgestattet. Zunächst hieß er „Kaiser-Franz-Josefs-Bahnhof“, seit 1918 wird er in den Kursbüchern unter dem heutigen Namen geführt.

Als die Kaiser-Franz-Josefs-Bahn 1870 auf der Teilstrecke Eggenburg–Wien ihren Betrieb aufnahm, musste vorerst mit einem provisorischen Bahnhof nördlich des heutigen Standortes das Auslangen gefunden werden. Grund dafür waren Streitigkeiten zwischen der Stadt Wien und der Errichtungsgesellschaft um den Standort. Die Gesellschaft wollte den Bahnhof an einem stadtfernen und daher billigeren Bauplatz errichten, während die Gemeinde eine gute Erreichbarkeit vom Stadtzentrum sicherstellen wollte. Der endgültige Standort wurde schließlich 1872 auf dem Areal des ehemaligen Palais Althan-Pouthon gefunden.

Palais Althan-Pouthon

Das Palais Althan-Pouthon ist ein ehemaliges Palais im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund, längs der heutigen Althanstraße im Bezirksteil Althangrund.

Ähnlich wie Fürst Liechtenstein im benachbarten Lichtental ließ Althan an der Als einen Garten sowie von Johann Bernhard Fischer von Erlach ein Lusthaus, das Palais Althan, errichten.

Palais Althan-Pouthon, 1869,
Quelle: Wikipedia bzw. Wien Museum

Das ursprüngliche Palais wurde um 1693 von Johann Bernhard Fischer von Erlach im Auftrag von Christoph Johann Graf Althan errichtet, der 1690 am Alsergrund großen Landbesitz erwarb.

1706 starb Althan und vererbte seinen Besitz seinem Sohn Gundacker von Althan, der das Gebiet 1713 an das Wiener Magistrat verkaufte. In den Wirtschaftsgebäuden des Palais Althan war später eine Baumwollfabrik untergebracht. 1777 wurde diese von Johann Baptist Pouthon erweitert. Eine Besiedelung des Gebietes begann ab 1724, als in der Althanstrasse 2 bis 12 eine Zeile einstöckiger Wohnhäuser errichtet und insbesondere von Handwerkern besiedelt wurde.  Das Palais selbst erwies sich für die Stadt Wien zunächst als unrentabler Besitz. 1754 wurde es an den Handelsmann Johann Georg Schuller verkauft, sein Sohn Johann Baptist Pouthon, Eigentümer ab 1777, ließ das Palais umbauen und den Park im französischem Stil in einen englischen Landschaftspark umwandeln.

Ansicht des Palais Althan-Pouthon im Jahre 1720 vom Donaukanal aus

Bild: Joseph Emanuel Fischer von Erlach
Quelle: Wikipedia und Bezirksmuseum
copyright siehe hier

Der alte Franz-Josefs-Bahnhof

Der Alte Franz-Josefs-Bahnhof um 1880

Der im historisierenden Ringstrassenstil gehaltene Bahnhof wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs durch mehrere Fliegerbombentreffer in Mitleidenschaft gezogen. Durch Kampfhandlungen unter Beteiligung der Roten Armee im April 1945 geriet ein Teil des Bahnhofes in Brand.

Der neue Franz-Josefs-Bahnhof wurde nach einem Entwurf der Architektengemeinschaft Schwanzer, Krampf, Glück, Hlaweniczka, Requat und Reinthaller erbaut und konnte 1978 seiner Bestimmung übergeben werden. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur der Bahnbetrieb selbst, sondern auch die gewinnbringende Verwertung von innenstadtnahen Liegenschaften als Büroflächen. Über den Gleisanlagen wurde eine Betoneindeckelung errichtet. Die letzten Gebäude auf dieser Überplattung wurden Anfang der 1990er Jahre fertig gestellt.

Der Althangrund

Der Althangrund war bis 1850 eine eigenständige Gemeinde (Vorstadt). Der Althangrund liegt im Nordosten des Alsergrunds. Im Norden grenzt der Bezirksteil an die Döblinger Bezirksteile Heiligenstadt und Oberdöbling, im Westen an den Thurygrund und Lichtental und im Süden an die Roßau. Im Osten bildet der Donaukanal die Grenze.

Die heutigen Grenzen zu den Bezirksteilen verlaufen somit vom Donaukanal bis zur Alserbachstraße Nr. 27, dann der Fechtergasse ab Nr. 16 bis zur Althanstraße folgend, anschließend weiter über den Lichtenwerder Platz zur Heiligenstädter Straße, Gürtelbrücke, Spittelauer Lände bis zur Friedensbrücke.

Das Gebiet des Althangrundes war lange Zeit unbesiedelt. Die zum Gebiet gehörende Spittelau wurde jedoch bereits 1350 dem Bürgerspital zugesprochen, von der das Augebiet am Donaukanal seinen Namen erhielt. 1679 wurden hier sieben Baracken errichtet, um die Pestkranken von der Bevölkerung zu isolieren.

Althangrund um 1830 Bild: Peter Gugerell

Die Spittelau wurde im 19. Jahrhundert zum Ausgangspunkt der ersten Wiener Wasserleitung, die Ferdinand I. errichten ließ. Dafür wurde in diesem Bereich das Grundwasser der Donau mittels Saugkanälen entnommen und in Wassertürmen gespeichert. Wegen Qualitätsmängeln und mangelnder Kapazität wurde die Wasserleitung jedoch 30 Jahre später durch die I. Wiener Hochquellenwasserleitung ersetzt. Anstelle des Maschinenhaus steht heute die thermische Abfallbehandlungsanlage Spittelau. 1850 wurde das gesamte Gebiet schließlich in den neugebildeten Bezirk Alsergrund integriert und zu Wien eingemeindet.

Bild: Peter Gugerell
Quelle: http://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/karten/vasquez/index.html


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